Zur Startseite

Die Mengener Hauptstraße birgt viele Geheimnisse

12.04.2012

Archäologen dokumentieren historische Funde, die bei Grabungsarbeiten auftauchen.

Baustelle

Die Baustelle im Herzen Mengens zieht nicht nur die Anwohner in ihren Bann. Während die Bürger immer wieder stehen bleiben, um die Bauarbeiter bei der Arbeit zu beobachten und den Fortschritt zu begutachten, sind Dr. Sören Frommer und Julia Häußler vor allem an den unscheinbaren Dingen unter der Erde interessiert.

Das Archäologenteam begleitet die Baumaßnahmen in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung. So eng, dass sie während der Bauarbeiten zwischen Baggern und Bauarbeitern die Funde dokumentieren und einzuordnen versuchen. Vergangene Woche tat sich in der Engstelle zwischen Kreuzplatz und Martinskirche ein Stück Mauer auf, das wohl zum 1819 niedergelegten Riedlinger Torturm gehören könnte. Der Befund sei noch nicht eindeutig, wollen sich Häußler und Frommer nicht festlegen, was da aus den Erdmassen herausragt. Hochspannend ist es dennoch, denn es tun sich einige interessante, wenn auch gemutmaßte, Szenarien auf.

Im Profil sei zunächst ein Grabenverlauf über gut zehn Meter gut erkennbar, erklärt Julia Häußler. Die Hauptstraße verlief früher einige Meter weiter südlich als heute. Innerhalb des Grabens seien zwei Mauern erkennbar, von denen eine einen Meter, die andere 1,6 Meter dick ist. Das Niveau zwischen beiden Mauern sei deutlich niedriger planiert als außerhalb. „Das ist die normale mittelalterliche Stadtbefestigungssituation mit Zwinger“, erklärt Dr. Sören Frommer. „Das Interessanteste ist die vermutlich zweiphasige Abfolge“, so seien Stadt- und Zwingermauer einerseits und der ältere Graben andererseits wohl zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Den Graben würde er vage vermutet sogar vor die Stadtwerdung Mengens im 13. Jahrhundert einordnen.

Damals sei es nicht üblich gewesen, eine gewöhnliche dörfliche Siedlung durch Wallgrabenanlagen hervorzuheben, woraus sich dann eine gewisse herausgehobene Bedeutung der Siedlung ergeben würde – passend etwa zum 1170 überlieferten Hoftag Friedrich Barbarossas in Mengen. Von dem zu erwartenden Wall fehlt bisher allerdings noch jede Spur, um diese Theorie untermauern zu können. „Wenn wir Glück haben, finden wir den Auslauf vom Wall“, freut sich Sören Frommer auf das Fortschreiten der Bauarbeiten. Derzeit gebe es noch viele Fragezeichen.

Grabungen vor der Martinskirche werden spannend

Die spannenden Befunde verschwinden im Zuge der Baumaßnahmen mit Voranschreiten der Baustelle wieder. Die Arbeiten selbst werden durch die Begleitung der Archäologen kaum behindert, nicht zuletzt, weil sowohl das Archäologenteam als auch die Bauarbeiter Rücksicht auf die jeweiligen Aufgaben nehmen. „Die Dokumentation wirkt sich nicht auf Termine aus“, betont Häußler. Da sich der Auftrag aufs Dokumentieren begrenzt, würde vermutlich nur ein sehr bedeutender Fund die Arbeiten ins Stocken bringen. „Die Zusammenarbeit läuft sehr gut“, fügt Cornelia Hund, Sachgebietsleiterin Hochbau der Stadt Mengen, an.

Aufregend wird es für die Archäologen wohl auch einige Meter weiter vor der Martinskirche. Vor allem in dem Bereich, wo später der Fuhrmannsbrunnen stehen soll, werden einige Entdeckungen erwartet, auch weil man dort außerhalb der alten Kanaltrassen liege. „Da könnte es recht spannend werden.“ Es seien einige Funde zu erwarten. Schon die Grabungen im Tal Josaphat 1989 haben gezeigt, dass man im Bereich um die Martinskirche mit einem frühmittelalterlichen Siedlungsplatz rechnen kann, erklärt Frommer.

Dass es bislang zwar interessante Befunde gab, aber noch kaum archäologisches Fundmaterial geborgen werden konnte, hat möglicherweise damit zu tun, dass der Platz zwischen Martinskirche und Unterem Tor durch einen Friedhof eingenommen wurde. „Das könnte natürlich auch erklären, warum wir keine anderen Funde haben“, erklärt Julia Häußler, sodass übliche Kleinfunde bisher ausgeblieben seien. „Wir kennen die Fundsituation an einer Stelle“, das Weitere sei zu diesem Zeitpunkt noch offen.

(Quelle Schwäbische Zeitung online, Text und Bild Sabine Herforth, Erschienen 11.04.2012 19:40)

Fuhrmännle

Ansprechpartner

Ihr Ansprechpartner bei der Stadtverwaltung Mengen für die Neugestaltung der Innenstadst ist der Sachgebietsleiter Tiefbau
Tel. (07572) 607-320

Stadt Mengen | Hauptstraße 90 | 88512 Mengen | Telefon 07572 / 607-0 | info@mengen.de