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Offener Brief von Bürgermeister Stefan Bubeck

31. Mär 2021

an die Mengener Bevölkerung

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

kennen Sie das Spiel Monopoly? Da gibt es eine Ereigniskarte mit der Aufschrift „Gehe zurück zur Badstraße“. Und die Badstraße liegt ziemlich am Anfang des Spielfelds. So ähnlich kommt mir die augenblickliche Situation vor. Parkstraße und die Schlossallee vor Augen, müssen wir wieder zurück auf den Stand, den wir zu Jahresbeginn hatten. Ich verzichte jetzt darauf, die Litanei der nunmehr wieder geltenden Vorschriften herunterzubeten. Gleichzeitig rauschen die Zustimmungswerte zur Corona-Politik in den Keller.

Ich verstehe jeden Frust! Ich verstehe den Frust darüber, dass viele Kinder und Jugendliche noch immer nicht einigermaßen normal zur Schule gehen können. Ich verstehe den Frust darüber, dass Kinder und Erwachsene in Quarantäne müssen, wenn ein Infektionsfall auftritt. Ich verstehe den Frust darüber, dass man zwar legal nach Mallorca in den Urlaub fliegen darf, es aber gleichzeitig verboten ist, mit Verwandten Kaffee zu trinken oder mal wieder in eine Gaststätte einzukehren. Ich verstehe den Frust darüber, dass Politiker Schindluder mit ihrem Amt treiben, während ganze Berufsgruppen ums Überleben kämpfen. All das muss man sehen und verstehen!

In vielen Diskussionen wird gefragt, ob das eigentlich logisch ist, was die Politik entscheidet. Ich sage: Nein, das ist es nicht, aber mit Logik kommen wir hier auch nicht weiter! Logisch wäre es, entweder alles auf Null zu stellen (vollständiger Lockdown einschließlich Schulen und Lebensmitteleinzelhandel bei völliger Ausgangssperre) oder aber, alles freizugeben und die Folgen von COVID-19 zu akzeptieren. Vermutlich sind wir uns einig: Beides wäre zwar vielleicht logisch, aber nicht richtig. Deshalb zweigt die Politik vom Weg der Logik ab und versucht, Kompromisse zu machen. Und die meisten Kompromisse sind aus bestimmten Betrachtungswinkeln weder logisch noch nachvollziehbar. Auch darüber kann man gefrustet sein und fast alle Menschen sind es inzwischen.

Die Krux jeglicher Prävention ist, dass man ihr Ergebnis nicht sieht. Wir sehen und wir wissen nicht, wie viele Menschen (und welche unter uns) durch die Maßnahmen von der Krankheit, die unser Leben seit einem Jahr so stark einschränkt, verschont blieben. Hätten wir vor einem Jahr alles laufen lassen, wüssten wir sehr genau, wer welche Folgen tragen muss. Ohne es beweisen zu können: Ich glaube immer noch, dass es richtig war und ist, alles zu versuchen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Müssen wir verzweifeln?

Nein, das müssen wir nicht! Wir haben das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels vor Augen. Ein nicht zu kleiner Teil der über 80jährigen aus unserer Stadt ist zwischenzeitlich geimpft, ein weiterer Teil hat bereits einen Termin. Und nach Ostern soll deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung stehen, so dass bald jedem Impfwilligen eine Impfung ermöglicht werden kann. Die Zusage der Kanzlerin, dass bis September alle ein Impfangebot haben, halte ich nach wie vor für realistisch. Ich glaube sogar, dass das bis zum Ferienbeginn Ende Juli schon möglich ist!

Bis alle Impfwilligen geimpft sind und die Herdenimmunität erreicht ist, müssen wir aber weiterhin alles tun, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Deshalb bitte ich Sie, Ihre Sozialkontakte weiterhin auf ein Minimum zur reduzieren und von den kostenlosen und spontanen Tests im Pop-up-Testzentrum an der Ablachhalle regen Gebrauch zu machen. Jeder negative Test gibt Sicherheit. Nicht nur Ihnen selbst, sondern auch Ihren Lieben gegenüber, die Sie ja ebenfalls nicht gefährden möchten.

Ansonsten: Schimpfen sie ruhig, denn die Situation ist zum… Schimpfen. Aber wir kommen da durch! Orientieren wir uns an den Generationen vor uns, die weitaus schwierigere Situationen gemeistert haben! Umso mehr können wir uns dann freuen, wenn wir all das wieder nicht nur tun dürfen, sondern auch mit gutem Gewissen tun können, auf das wir seit nunmehr einem Jahr verzichten müssen!

Deshalb: Schimpfen Sie, aber bleiben Sie zuversichtlich, bleiben Sie umsichtig, bleiben Sie gelassen und bleiben Sie vor allem gesund!
Fröhliche Ostern!

Ihr

Stefan Bubeck
Bürgermeister

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